6.  R E P O R T

Kunststoffe in der Medizintechnik


Die 6. DIF-Fachkonferenz fand am 09. und 10. Juni 2008 in Würzburg auf der Festung Marienberg statt.

Lesen Sie nachfolgend eine Zusammenfassung der Konferenz durch den Leiter der Veranstaltung, Herrn Professor Dr.-Ing. Jörg Vienken von Fresenius Medical Care Deutschland GmbH in Bad Homburg, der den Marathon der zahlreichen Themen wieder äußerst kompetent, leicht und locker und damit für die Teilnehmer sehr kurzweilig bewältigen konnte.

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Fachkonferenz Medizintechnik auf der Würzburger Festung Marienberg
zum 6. Mal wieder mit großer Resonanz

"Kunststoffe in der Medizintechnik" war das zentrale Thema der Fachkonferenz Medizin­technik, die das "Deutsche Industrieforum für Technologie“ (DIF) nun bereits schon zum 6. Mal auf der Festung Marienberg ausrichtete.
"Erfindungen sind immer nur der Anfang, dann kommt die Praxis". Das wissen Ingenieure der Medizintechnik schon lange. Denn ehe Medizinprodukte für die klinische Anwendung zuge­lassen werden, sind viele Details wie Polymerauswahl, Sterilisationsverfahren oder Testver­fahren zu klären. Zusätzlich müssen auch die notwendigen Rahmenbedingungen - wie gesetzliche Vorgaben – ausgelotet werden. Wie im vergangenen Jahr hatte die Fachkonferenz daher den be­währten Untertitel: „Prozesskette - vom Polymer zum System".

Die Konferenz stand wie in den vergangenen Jahren unter der bewährten Leitung von Prof. Dr.-Ing. Vienken von Fresenius Medical Care in Bad Homburg. 19 hochkarätige Fachleute aus der medizintechnischen Industrie konzentrierten ihre Vorträge auf fünf Themenkreise, vom Prozessketten- und Qualitätsmanagement, über Werkstoffe und Werk­zeuge bis hin zu den neuesten Ergebnissen aus Forschung und Entwicklung.

Was konnte man von dieser Tagung mit nach Hause nehmen?

Demographische Veränderungen sind mittlerweile jedem Bundesbürger geläufig. Sie gelten aber auch für Entwicklungstrends in der Medizintechnik und deren Dynamik. Es muss der Brennpunkt der Entwicklung in Zukunft vermehrt auf den alternden Menschen gelegt und dessen Physiologie und Verhalten angepasst werden. "Dazu gehört natürlich auch ein Projektmanagement für das Berichtswesen, für Produktion, Marketing und Service." so Dr. Otto von der 3R LifeScience GmbH in Ludwigshafen, wobei - aller Demokratie zum Trotz - auch direkte Top-down Entscheidungen effizient weiterhelfen können.
Dimensionslose Kenngrößen sind allen Ingenieuren bekannt. Sie gelten aber auch für die bevorstehenden REACH-Regelungen. Wie Dr. Baunemann von PlasticsEurope Deutschland e.V. in Frankfurt, berichtete, sind diese aber immer noch durch viele unklar formulierte Vorschriften bestimmt, obwohl die Zeit drängt, und die REACH-Regelung am 01.12.2008 akut wird.
Polymere und Materialien für die Medizintechnik sind seit Beginn immer eines der zentralen Themen der Konferenz. Über neue Eigenschaften von Co-Polyestern, die erfolgreich kalt verformt werden können, berichtete Herr Witthuhn von Eastman Chemical Deutschland GmbH, Köln. "Das Paradepferd der Polymere ist seit einigen Jahren die PEEK-Familie, mit der man einen Blumenstrauß von Eigenschaften für einen Blumenstrauß von Kriterien erreichen kann!", so Dipl.-Ing. Bongardt von der Ensinger GmbH in Nufringen. Aber auch Silikone können durch kluge, trickreiche Verfahren oberflächenmodifiziert werden, wie Dr. Siegel von bionic surface aus Würzburg berich­tete.
Herstellungsverfahren von Folien und medizintechnischen Produkten unterliegen besonderen Sicherheitsanforderungen, die besser erreicht werden, wenn Prozesse unter Folienabdeckung ablaufen. 3 "PŽs" können damit erreicht werden!", so Herr Denk von der Hecht Anlagenbau GmbH in Pfaffenhofen. "Produktschutz, Personenschutz und Prozessschutz!".

Der dritte Themenkreis beschäftigte sich mit Qualitätsmanagement (QM), einer zentralen Anfor­derung für medizintechnische Produkte. Mit einem Bericht über "Fälschungssichere Etiketten", die durch die Kenn­zeichnung mit künstlich hergestellter DNA herstellbar und über ein besonderes Lese­gerät identifizierbar sind, konnte Herr Weichert von der November AG in Erlangen seine Zuhörer begeistern und einnehmen. Überraschend für die Zuhörer war, dass biologische Komponenten in Bereiche vordringen, von denen man es bisher nicht erwartet hatte.
Das QM-Credo von Dr. Lohmann, Analytik Service Obernburg, Mainsite GmbH & Co KG in Obernburg, war, "nur bereits praktizierte Abläufe in interne QM-Regelungen aufzunehmen“. Andernfalls drohe man zum Sklaven der eigenen Vorschriften zu werden, ohne die Möglichkeit einer pragmatischen Veränderung zu haben. Seiner Empfehlung zufolge sind Qualitätssicherungssysteme immer mit Augenmaß anzugehen. Zum Qualitätsmanagement gehört auch die Kennzeichnungspflicht für Weichmacher der Phthalat-Familie, so Prof. Dr.-Ing. Vienken, der über die Vorgaben der Europäischen Union referierte. Bis 2010 sind alle DOP/DEHP-haltigen Medizinprodukte zu­ kennzeichnen, wobei die Art und Weise der Kennzeichnung immer noch offen ist, aber für Anfang 2009 erwartet wird.
Ein Qualitätsmanagement gilt besonders für die Wiederverwendung von Medizinprodukten. Frau Dr. Klosz von der Vanguard AG in Berlin berichtete in überraschender, aber notwendiger Offenheit, wie dieser Problemkreis erfolgreich angegangen werden kann, und räumte ein, dass nicht alle Medizinprodukte wieder verwendbar sind, besonders dann nicht, wenn deren Funktionsweisen unklar sind.
"Kein Wohlstand ohne Innovation." titelte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung im Januar dieses Jahres. "Innovation und Forschung" ist regelmäßig der 5. Themenbereich der Konferenz. Prof. Dr. Greiner von der Phillips-Universität Marburg zeigt, dass Nanoprodukte durch Elektrospinnen mit allen möglichen Polymeren möglich sind. Strukturen zur Verbesserung der Nervenleitung durch Einsatz von Caprolacton (Dr. Doser, Institut für Textil und Verfahrenstechnik, Denkendorf) sind die Methode der Wahl geworden und haben Polymere wie Polylaktide, etc erfolgreich ersetzt. Innovationen bei der Polymermodifikation sind auch durch Oberflächenbehandlung mit Hilfe einer Plasmabehandlung möglich. Schnelle Sterili­sationsprozesse und Materialien mit Barrierewirkung sind so realisierbar, wie Dipl.-Ing. Deilmann von der Ruhr-Universität Bochum berichtete. Zu besonders effizienten Verfahren gehören auch die Ultrakurzpulslaser, mit denen Polymere ohne größere Materialschädigung verändert wer­den können - das folgt aus dem Bericht von Dipl.-Phys. Koch vom Laser Zentrum Hannover e.V.

Die 6. Fachkonferenz des Deutschen Industrieforums, die wieder eine große Zahl von Zuhörern in ihren Bann gezogen hat, zeigte die Dynamik dieses Fachgebiets Medizintechnik und weckt die Neugierde für die 7. DIF-Konferenz, die am 29.und 30. Juni 2009 wieder auf der Festung Marienberg in Würzburg stattfinden wird.
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Prof. Dr.-Ing. Jörg Vienken
BioSciences, Fresenius Medical Care Deutschland GmbH
E-mail: Joerg.Vienken@fmc-ag.com
Bad Homburg, August 2008

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Wie auch in den vergangenen Jahren konnten sich die Teilnehmer während der extra dafür eingerichteten Pausen bei den Ausstellern der Fachinformationsschau über weitere interessante Details erkundigen.

 
 



Traditionsgemäß rundete die Weinprobe den 1. Tag erfolgreich ab. Bei einem Gang durch die riesigen Kellergewölbe des Staatlichen Hofkellers in Würzburg erfuhren die Teilnehmer viel Interessantes rund um den Wein, der natürlich in dem Stückfasskeller auch von jedem gekostet werden konnte. Eine deftige sog. Häckerbrotzeit sorgte dafür, dass alle Teilnehmer am nächsten Morgen dem 2. Teil der Konferenz wieder aufmerksam folgen konnten.


Deutsches Industrieforum für Technologie
- Renate Mattigkeit

Kempen, August 2008